KPMG Law befragt seit mehr als zehn Jahren internationale Rechtsabteilungen zu ihren Herausforderungen. Der Report «Recht auf Fortschritt« gilt heute als eine der fundiertesten Quellen für strukturelle und strategische Entwicklungen im Rechtsbereich und zeigt: die kommenden zwei Jahre stehen im Zeichen von Effizienz, geopolitischen Spannungen, technologischer Integration und einer veränderten Rolle der Rechtsfunktion.
Globales Monitoring komplexer Themen als Daueraufgabe
Zunehmende Spannungen zwischen globalen Wirtschaftsräumen wirken sich unmittelbar auf die juristische Arbeit aus. Sanktionen, Handelsabkommen, Zölle und politische Restriktionen erhöhen die Regulierungsdichte deutlich. Unternehmen müssen nationale und internationale Rechtsrahmen kontinuierlich bewerten und in interne Prozesse übersetzen.
Das Monitoring komplexer regulatorischer und geopolitischer Entwicklungen wird daher häufig spezialisierten Kanzleien übertragen. Durch Skaleneffekte können sie mehrere Mandanten effizient betreuen und aktuelles Expertenwissen bündeln.
KI wird operativer Standard
Nahezu alle Rechtsabteilungen haben erste Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz gesammelt, teils auch ernüchternde. Dennoch bleiben künstliche Intelligenz und Technologie zentrale Themen. Automatisierte Vertragsgeneratoren, KI-gestützte Prüfungen und Analysetools reduzieren manuellen Aufwand, verkürzen Durchlaufzeiten und erhöhen die Qualität.
Die Frage ist nicht mehr, ob KI eingesetzt wird, sondern wie sie strukturiert und prozessintegriert implementiert wird.
End-to-End-Optimierung statt Einzel-Use-Cases
Größere Rechtsabteilungen setzen zunehmend auf KI-gestützte End-to-End-Lösungen, um vollständige Prozessketten zu automatisieren mit Effizienzsteigerungen von bis zu 40% pro Prozess. Technologien wie MCP (Model Context Protocol) ermöglichen die Kommunikation verschiedener KI-Agenten entlang eines Workflows. Ziel ist es, Routineaufgaben zu reduzieren und Kapazitäten für strategische Themen freizusetzen.
Größere Unternehmen sind wegen der Budgets und Experten im Vorteil gegenüber traditionellen Kanzleien.
Digitale Integration von Kanzleien in das Legal Ecosystem
Die Kooperation mit Kanzleien wird datengetriebener und plattformbasiert. Standardisierte Tätigkeiten wie regulatorisches Monitoring, Vertragsanalysen oder Corporate Housekeeping werden arbeitsteilig organisiert und teilweise in kosteneffizienten Lieferstrukturen erbracht.
Bessere Vergütungsmodelle schaffen Anreize
Traditionelle Vergütungsmodelle stehen unter Druck. Das Stundenhonorar setzt nur begrenzte Effizienzanreize. Festpreise pro Leistungseinheit (Preis pro Vertrag) und klar definierte Service Level Agreements belohnen Qualität und Automatisierung.
Interdisziplinäre Teams gewinnen
Mit zunehmender Automatisierung standardisierter Tätigkeiten ändert sich die Teamstruktur komplett. Volljurist:innen werden durch IT-, KI- und Prozessexpert:innen ersetzt. 20%-40% der Arbeiten werden automatisiert.
Vom Unterstützer zum strategischen Partner
Mit dem Konzept «Embedded Law» wird Recht direkt in operative Prozesse integriert. Compliance und Risikomanagement werden systematisch verankert. Die Rechtsabteilung entwickelt sich damit vom reaktiven Unterstützer zum strategischen Partner des Unternehmens.
Fazit
Effizienz, steigende Regulatorik, Technologie und neue Collaborationsmodelle prägen die Rechtsfunktion 2026 und 2027. Wer diese Entwicklungen aktiv gestaltet und nicht nur reagiert, ist Motor für Effizienz, Innovation und stärkt die strategische Position der Rechtsabteilung.
