Eine Stellungnahme von Firas Kharrat, Zentralvorstand SBVV, Delegierter der Verlagsverbände Schweiz (SBVV, LIVRESUISSE, ALESI, SVGV) und Verleger Schulthess Juristische Medien AG
Das wissenschaftliche Publizieren in der Schweiz funktioniert heute nach einem bewährten Modell: Autor*innen und private Wissenschaftsverlage arbeiten partnerschaftlich zusammen. Die Verlage übernehmen die Qualitätskontrolle, bereiten die Forschungsergebnisse professionell und für unterschiedliche Darreichungsformen auf und verbreiten sie zuverlässig – alles auf eigenes Risiko und im marktüblichen Wettbewerb. Damit entstehen vielfältige und hochwertige Publikationen, der Staat wird entlastet und die Wissenschaft bleibt unabhängig.
Dieses erfolgreiche Modell soll jetzt durch das sogenannte zwingende Zweitveröffentlichungsrecht grundlegend verändert werden. Künftig sollen wissenschaftliche Werke (Bücher und Zeitschriften) gleichzeitig zur Erstveröffentlichung durch den Verlag auch auf universitären Plattformen oder privaten Websites kostenlos verfügbar gemacht werden können. Der Investitionsschutz für Verlage bricht weg. Verlage und Forschende kritisieren, dass so die Vielfalt und die Unabhängigkeit der Wissenschaftskommunikation bedroht werden.
Was sind die Folgen?
Das neue unabdingbare Recht greift massiv in die Vertragsfreiheit von Autor*innen und Verlagen ein. Gerade kleine Schweizer Verlage verlieren ihre Grundlage für Investitionen und Wettbewerb. Hochschulen müssten mit Steuergeldern eigene Verlagsstrukturen aufbauen, obwohl diese bereits existieren. Das führt zu teuren Doppelstrukturen, schwächt die Privatwirtschaft und verringert die publizistische Vielfalt.
Auch die Wissenschaftsfreiheit gerät in Gefahr: Forschende möchten selbst entscheiden, wo und wie sie ihre Ergebnisse veröffentlichen. Ein gesetzlicher Eingriff nimmt ihnen diese Wahlmöglichkeit und stört die unabhängige Kommunikation von Forschung.
Statt teuren staatlichen Parallelstrukturen braucht es die bewährte Zusammenarbeit zwischen privaten Verlagen und Forschenden. So bleiben Qualität, Vielfalt und Innovationskraft erhalten – zum Vorteil für Wissenschaft, Autor*innen und Öffentlichkeit.
Interessierte können sich zusätzlich hier informieren.
