Die Entwicklung der Arbeit in Zeiten der Digitalisierung 

Die Entwicklung der Arbeit in Zeiten der Digitalisierung

Quelle: istock/nicoelnino

Neue Technologien

In der Schweiz war die Umstellung auf Computer, E-Mail und Internet 2005 weitgehend abgeschlossen. Laut dem Bundesamt für Statistik verwendeten 2015 58% der Beschäftigten einen Computer oder Laptop. Seither ermöglichen immer leistungsfähigere IT- oder cyber-physische Systeme eine optimale Verschmelzung von virtuellen und realen Arbeitsprozessen. Die Verbreitung von mobilen und internetfähigen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) trägt dazu bei, dass digitale Arbeit (im Büro oder ortsunabhängig) zum Standard wird. Je mehr IKT genutzt werden, desto mehr sinken die Informations-, Kommunikations- und Koordinationskosten in Unternehmen. Cloud-Computing oder soziale Netzwerke hingegen sind in Schweizer Firmen erst geringfügig im Einsatz. Ebenso andere innovative Technologien wie Big-Data, Blockchain oder Künstliche Intelligenz (KI). Diese ermöglichen die Sammlung und Auswertung immer grösserer Datenmengen (ein relevantes Einsatzgebiet etwa für die Rechtsabteilung in Unternehmen), führen zu neuen Methoden der Informationsbeschaffung und somit zu einer Umverteilung an Entscheidungskompetenz. Dabei werden kognitive Computersysteme (der Künstlichen Intelligenz zuzuordnen) als eine der grössten Bedrohungen in der Arbeitswelt angesehen, da sie in besonderer Weise in der Lage sind, menschliche Leistungen zu substituieren. Digitale Assistenten, ausgestattet mit kognitiven Fähigkeiten, nehmen Veränderungen in ihrer Umgebung wahr, beurteilen sie und ermitteln Lösungsvorschläge. Sie können selbständig lernen, handeln und planen. 

Andere Arbeitsmodelle 

Auf den neuen Technologien basierend entstehen neue Arbeitsmodelle wie Telearbeit oder plattformbasierte Arbeit bzw. Arbeitsformen. Dank Telearbeit (auch Homeoffice-Arbeit) können Büroräumlichkeiten im Kollektiv optimal genutzt, Wegzeiten verkürzt und die Produktivität positiv beeinflusst werden. Sie stärkt die Mitarbeiterautonomie, erschwert allerdings deren Eingliederung im Unternehmen. Alle Formen mobiler Arbeit tragen zu mehr Flexibilität und Vielfalt bei, bergen aber das Risiko sozialer Isolation oder einer Vermischung von Arbeit und Freizeit (Work-Life-Blending). Zudem wächst der Wunsch nach Kontrolle seitens des Arbeitsgebers. Bei der plattformbasierten Arbeit (z.B. Crowdworking) ermöglichen Online-Plattformen die digitale Vermittlung und anschliessend Erbringung von Leistungen, die Beschäftigten bestimmen selbst Art und Umfang ihrer Tätigkeit. Hohe Flexibilität und Autonomie stehen hier einer unsicheren Einkommenserzielung gegenüber. Ca. ein Drittel der Schweizer sucht Online-Arbeit. Insbesondere für Beschäftigte zwischen 16 und 34 Jahren erscheint sie attraktiv. Allerdings wird diese neue Arbeitsform in der Schweiz tendenziell nur als Ergänzung zum Hauptjob ausgeübt: Die Unternehmen erwarten häufig, dass verschiedene Leistungen lokal erbracht werden und dass das Know-how die Firma nicht verlässt. 

Wegfall des Berufs Unternehmensjurist?

Die Digitalisierung bedingt nicht zwangsläufig das Entstehen oder den Wegfall ganzer Berufe. Vielmehr führt sie zu einer Substitution bestimmter Tätigkeiten durch Automatisierung, wovon immer mehr Juristen betroffen sind. Stark automatisierungsgefährdet sind Tätigkeiten – auch von Spezialisten! – mit hohem Routineanteil, d.h. einem überdurchschnittlichen Ausmass an repetitiven Schritten. Das ist insofern bemerkenswert, weil nun qualifizierte Arbeitskräfte besonders von einem Abbau betroffen sind. Hingegen wird die Nachfrage nach Personen, die komplexe Aufgaben ausüben, steigen. Solche Tätigkeiten beinhalten ein hohes Mass an persönlicher Interaktion und sozialer Kommunikation, kognitive Kompetenzen, Teamfähigkeit und Führungsqualitäten – alles Nichtroutinetätigkeiten, welche sich schlecht substituieren lassen. 
Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation
Die Arbeitsaufgaben und Entscheidungskompetenzen werden also neu verteilt. Die zentrale Frage lautet: Fördert die Digitalisierung eine Zentralisierung oder eine Dezentralisierung von Entscheidungskompetenzen? Für eine Zunahme der Zentralisierung spricht, dass IKT opportunistisch nutzbare Handlungsspielräume hierarchisch untergeordneter Organisationsmitglieder verringert, die Kommunikationskosten im Betrieb reduziert und ein zentrales Monitoring sowie Kommunikation in Echtzeit ermöglicht. Mehr Dezentralisierung könnte allerdings ebenso die Folge sein, weil hierarchisch untergeordnete Organisationsmitglieder Zugang zu mehr Information bekommen, wodurch die dezentrale Entscheidungsfindung beschleunigt und verbessert wird. In jedem Fall ist zu erwarten, dass das Monitoring von Mitarbeitern durch den Einsatz digitaler Technologien an Bedeutung gewinnt, dies etwa über den Einsatz einer Blockchain-Technologie, mit deren Hilfe jede einzelne Tätigkeit der Mitarbeiter besser verifiziert werden könnte. Über «click-exchange»-Modelle kann der Auftraggeber die Qualifikationen der ausführenden Personen sowie ihren Arbeitsrhythmus und ihre Performance einsehen. Eine Manipulation der Daten ist nicht möglich.

Fazit

Die Digitalisierung fördert den betrieblichen Einsatz moderner Arbeitsformen. 
Aufgrund der Digitalisierung reduzieren Betriebe vor allem ihre Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften mit Routinetätigkeiten, während die Nachfrage nach solchen, die komplexe Tätigkeiten ausüben, zunimmt. 
IKT im Betrieb stärkt die Autonomie der Mitarbeiter, führt aber auch zu einer ausgeprägteren Kontrolle ihrer Arbeitsleistung.