Die Zukunft des Anwaltsberufs

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Die Zukunft des Anwaltsberufs

Quelle: iStock

Die Tätigkeit als Jurist:in erfordert heute, in einem Umfeld zu agieren, das unbeständig, unsicher, komplex und mehrdeutig ist. Auch aus diesem Grund wächst der Druck auf Jurist:innen. Zu den besonderen Herausforderungen gehören unter anderem Compliance-Anforderungen, höhere Leistungserwartungen, wachsende Spannungen mit Talenten und der dringende Bedarf an technologiegestützter Effizienz. Eine aktuelle Studie vom Informationsdienstleister Wolters Kluwer beinhaltet die Einschätzungen von 751 Juristen aus
10 europäischen Ländern und den USA. Im Bericht zu «Future Ready Lawyer» wurden die relevanten Themen und Trends für die Zukunft des Rechtswesens herausgefiltert. 

Allgemeine Trends

  • Zunehmende Bedeutung von Legal Technology.
  • Insourcing bei Rechtsabteilungen.
  • Insgesamt 63% aller Jurist:innen erwarten in den kommenden 12 Monaten Mehrinvestitionen in juristische Software und einen Anstieg ihrer Gesamtinvestitionen in Technologien.
  • Das mangelnde technologische Wissen, das fehlende Verständnis oder die ungenügenden Fähigkeiten sehen die Mehrheit der Rechtsabteilungen und der Kanzleien als Hauptgrund für Widerstand gegen neue Technologien. Im Gegensatz dazu erachteten sie früher den Hauptwiderstandsgrund in organisatorischen Problemen.
  • Die häufigsten Gründe für Unternehmensmandant:innen, einer Kanzlei zu kündigen, sind mangelnde Effizienz und Produktivität der Kanzlei.
  • 84% aller Rechtsabteilungen geben an, dass die Fähigkeit einer Kanzlei, sie bei der Auswahl der Implementierung von Legal Technology zu unterstützen, entscheidend sei. 
     

So sehen Unternehmensjurist:innen ihre berufliche Gegenwart und Zukunft

  • Die grossen Herausforderungen für Rechtsabteilungen liegen in der Bewältigung der steigenden Anforderungen an sie, dem Wandel in Kanzleien, welcher sie mit beeinflusst, sowie der Optimierung der juristischen Arbeitsabläufe und des juristischen Projektmanagements.
  • Technologieführer im Rechtswesen schneiden Jahr für Jahr besser ab als andere, sei es bei den Mandanten,
    im Hinblick auf Talente oder bezüglich Produktivität bzw. Leistung. 
  • Die Bereiche, in denen die prägendsten Veränderungen erwartet werden, sind: alternative Gebührenstrukturen, verstärktes Insourcing juristischer Arbeiten und mehr Einsatz von Technologien zur Steigerung der Produktivität.
  • Neben dem verstärkten Insourcing wird auch vermehrt Vertragspersonal bzw. werden mehr nicht-juristische Mitarbeitende und alternative Rechtsdienstleistende eingesetzt.
  • 86% aller Rechtsabteilungen berichten von bedeutenden Auswirkungen des Big Quit, sprich der grossen Kündigungswelle. 70% aller Unternehmensjurist:innen geben an, ihre derzeitige Position im nächsten Jahr mehr oder weniger wahrscheinlich aufzugeben. Nur 33% halten ihre Abteilung für sehr gut dazu imstande, juristisches Personal einzustellen / zu halten.
  • Die Karriereentwicklung und die schnelleren Aufstiegschancen haben für Unternehmensjurist:innen höchste Priorität.
  • 87% der Unternehmensjurist:innen / Talente erachten es für mindestens sehr wichtig für eine Rechtsabteilung zu arbeiten, die technologisches Potenzial voll nutzt. Die für Rechtsabteilungen wichtigsten Technologien sind: Management von Rechtssachen, Vertragsmanagement-Software / Vertrags-Analytik, Dokumentenmanagement, Cybersecurity und Verschlüsselungs-Tools, elektronische Unterschrift, Corporate Housekeeping. 
  • 62% aller Jurist:innen erwarten in den kommenden drei Jahren eine Mehrinvestition ihrer Rechtsabteilung in Technologien.
  • Rund 80% glauben, dass robotergesteuerte Prozessautomatisierung bzw. Künstliche Intelligenz (KI) in den kommenden drei Jahren Auswirkungen auf ihre Abteilung haben. 

Advokatur

  • Rechtsanwält:innen erwarten den grössten Wandel in Bezug auf mehr Spezialisierung der von den Kanzleien angebotenen Rechtsdienstleistungen, eine engere Zusammenarbeit und mehr Transparenz zwischen Kanzleien und Mandanten und einen stärkeren Einsatz von Technologie für eine höhere Produktivität.
  • Angesichts steigender Erwartungen seitens der Mandanten ergreifen viele Kanzleien entsprechende Massnahmen, indem sie zum Beispiel in neue Technologien zur Unterstützung des Kanzleibetriebs und der Mandantenarbeit investieren oder ihren Ansatz zum Kundenfeedback standardisieren. 
  • Talente stellen für Kanzleien eine Herausforderung dar, vor allem aufgrund der «Big Quit»-Kündigungswelle. Nur etwas mehr als ein Viertel der Rechtsanwält:innen halten ihre Kanzlei für sehr gut dazu imstande, juristisches Personal einzustellen / zu halten.
  • Die häufigste Priorität für Rechtsanwält:innen ist die Work-Life-Balance, im Sinne einer moderaten Arbeitsbelastung, jedoch halten nur 34% ihre Kanzlei für sehr gut darin, dies zu leisten.
  • 83% aller Anwält:innen finden es äusserst oder sehr wichtig für eine Kanzlei zu arbeiten, die das
    technologische Potenzial voll nutzt, wobei die wichtigsten Technologien Dokumentenmanagement, Cybersecurity- und Verschlüsselungs-Tools sowie Digitale Gerichtsverfahren sind.
  • 81% aller Kanzleien glauben, Big Data und Predictive Analytics würden Auswirkungen auf ihre Kanzlei haben. Etwas weniger sind der Meinung, dass Maschinelles Lernen Auswirkungen haben werde.