Das Forum KI-Recht bringt Experten aus allen gesellschaftlichen Bereichen an einen Tisch. Fachleute aus Recht, Technologie, Verwaltung, Politik und Wirtschaft erhalten mit dem Forum KI-Recht die Plattform, um gemeinsam aktuelle Entwicklungen zur KI-Regulierung aus der jeweiligen Perspektive zu beleuchten, Herausforderungen und Lösungsansätze zu diskutieren und sich mit ihren Peers einmal «hinter den Kulissen» auszutauschen. Organisiert wird die Veranstaltung vom Schweizer Verein für KI-Recht; dahinter stehen Rehana Harasgama und Noemi Ziegler. Rehana Harasgama und Noemi Ziegler sind als Rechtsanwältinnen seit mehreren Jahren im Daten- und Technologierecht tätig und beschäftigen sich als begeisterte Expertinnen mit den spannenden Herausforderungen im Zusammenhang mit KI an den Schnittstellen von Regulierung, Wirtschaft, Politik und Technik.
Am 20. August 2026 fand das Forum KI-Recht in Zürich zum dritten Mal statt.
Der Auftakt erfolgte durch die KI-Psychologin Dr. Marisa Tschopp (Leiterin Fachbereich «Mensch & KI», ZHAW) mit der Keynote «Mensch, Maschine, Gefühle?». Anhand von Companion- und Character-Bots zeigte sie auf, wie stark Menschen KI ver(un)menschlichen. Ihre Forschung unterscheidet drei Beziehungsmuster: Master–Servant, freundschaftlicher Agent und rationaler Agent. Zentral bleibe das Vertrauen, mit den Dimensionen Kompetenz, Integrität und Wohlwollen. Marisa Tschopp erwähnte die Chancen synthetischer Beziehungen, warnte jedoch zugleich vor Manipulation, Echokammern und Autonomieverlust.
Livia Walpen (Senior Policy Advisor beim Bundesamt für Kommunikation) erläuterte den schweizerischen Ansatz in der KI-Regulierung. Verbindliche Massnahmen «wo nötig» und nicht verbindliche «wo möglich», soll dieser lauten, freilich in Umsetzung der ratifizierten KI-Konvention des Europarats. Nach derzeitigem Stand ist wohl eine übergreifende, risikobasierte Gesetzgebung mit Fokus auf Transparenz, Datenschutz, Nichtdiskriminierung und Aufsicht vorgesehen. Der Vernehmlassungsentwurf soll im ersten Quartal 2027 vorliegen. Ziel bleibe nebst einem Gleichgewicht aus Innovationsförderung und Grundrechtsschutz, das Vertrauen in KI zu stärken.
Kai Zenner (Büroleiter, EU-Parlamentsabgeordneter Axel Voss) gab ein Update zur EU-KI-Politik: «Relief, but the clock is still ticking.» Mit Bezug auf den Draghi-Bericht attestierte er einen digitalen Rückstand Europas und ordnete das Digital-Omnibus-Paket ein. Die verschobenen Hochrisiko-Fristen waren zum Zeitpunkt des Forums bereits beschlossen: Die Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026 verschiebt die Annex-III-Pflichten auf den 2. Dezember 2027, die Annex-I-Pflichten auf den 2. August 2028. Europas Chance liege in Anwendungen, nicht in Basismodellen.
Dr. Dominika Blonski (Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich) beleuchtete verschiedene Fragestellungen zum Thema «KI & Daten». KI bearbeite Personendaten bei Training, Prompts und Nutzung; die Verantwortung bleibe beim öffentlichen Organ, auch bei cloudbasierter Auftragsbearbeitung. Sie skizzierte das Vorgehen: Zweck definieren, Alternativen prüfen, Datenschutz-Folgenabschätzung, allenfalls Vorabkontrolle, Outsourcing klären, alles dokumentieren. Datenschutz schaffe das Vertrauen der Bevölkerung.
Sascha Maier (CISO der SV Gate Group) präsentierte einen Use Case bei Booking.com und zeigte auf, wie sich Cyberangriffe durch KI verändern können. Im Mittelpunkt stand die zunehmende Fähigkeit von Angreifern, Attacken schnell, gezielt und adaptiv durchzuführen. Fazit: Was heute erkannt und abgewehrt wird, kann morgen in adaptierter Form bereits wieder auftauchen. KI verschiebe das Verhältnis zwischen Angriff und Verteidigung. Angreifer könnten KI nutzen, um Angriffe zu skalieren und zu individualisieren; Verteidiger müssten ihre Prozesse entsprechend automatisieren und laufend anpassen. Konsequenterweise liessen sich KI-Governance und Cybersecurity immer weniger getrennt behandeln. Die Einführung von KI-Systemen verlange daher nicht lediglich Compliance mit Datenschutz und KI-Regulierung, sondern ein Setup in Bezug auf Informationssicherheit, Incident Management und Verantwortlichkeit.
Samarth Malhotra (CEO Theseus Robotics) zeigte in seinem Vortrag «Humanoids in the Aisle», wie sich Robotik von starrer Automation hin zu kontextbasierter Robotik entwickelt. Anhand eines humanoiden Roboters für die Warenbewirtschaftung im Detailhandel erläuterte er die Chancen, aber auch offene Fragen zu Sicherheit, Haftung, Datenschutz und dem Einsatz von Robotern im öffentlichen Raum. Besonders deutlich wurde, dass technische Möglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen noch nicht überall zusammenpassen.
Der rote Faden insgesamt: das Spannungsfeld zwischen Mensch, Maschine und Vertrauen.
Wiederum ergänzten praxisbezogene Round-Table-Gespräche das Programm. Angeleitet von Fachmoderierenden, hatten die Teilnehmenden am Nachmittag die Chance, sich mit ihren Peers zu sektorspezifischen Fragen auszutauschen sowie Herausforderungen, ungelöste Fragestellungen und mögliche Lösungsansätze in den sektorspezifischen Branchen zu diskutieren.
Zum Abschluss plauderte Martin Steiger (Anwalt, Steiger Legal) in seinem Live-Podcast «Datenschutz-Plaudereien» zusammen mit Dr. Angela Müller (CEO AlgorithmWatch) über Demokratie, Macht und Regulierung in der digitalisierten Welt.
