Neues Jahr, neues Glück? So einfach wird es nicht. Die Einordnung im Markt und im Unternehmen muss wohl überlegt sein und ist echte Knochenarbeit. Nicht nur für Anwaltskanzleien, sondern auch für Rechtsabteilungen. Wer sich nicht selbst positioniert, wird positioniert.
- Künstliche Intelligenz nur als Trigger. KI bietet für Vieles Anlass. Sie ist aber nicht der eigentliche Grund für Veränderungen. Einige der Anpassungen wären auch ohne KI erforderlich gewesen. Offenbar war einfach der Druck noch nicht hoch genug. Es wäre viel zu einfach, nun KI für alles verantwortlich zu machen. Sie bietet jedoch eine passende Gelegenheit für nötigen Change.
- Veränderung des Berufsbildes. Die Zeiten, als Jurist:innen und Anwält:innen nur Rechtsauskünfte erteilten und als Verteidiger der Unternehmen agierten, sind längst vorbei. Mit Jura allein gewinnt man heute keinen Blumentopf mehr. Die Kunden erwarten eine Vertrauensperson, die viel breiter aufgestellt ist und das Wachstum ihrer Kunden fördert.
- Notwendiger Ausbau der eigenen Skills. Juristische Exzellenz allein reicht nicht mehr aus, sie wird vorausgesetzt. Rechtsdienstleister müssen heute mehr Fähigkeiten aufweisen. Ich unterscheide dabei sechs Arten von Skills, die zusätzlich durch entsprechende praktische Erfahrung unterlegt werden müssen, um die Entwicklung zu einer starken Persönlichkeit zu ermöglichen: Legal, Business, Management, Social, Human und Individual Skills. Das ist nicht gerade wenig, es gibt jedoch keine Abkürzung daran vorbei.
- Rechtsabteilung hat Platz am Tisch. In Sachen Strategieentwicklung müssen General Counsel gleich doppelt liefern. Ist eine Rechtsabteilung nicht mehr bloss eine Stabstelle für Rechtsauskünfte, sondern sitzt der General Counsel am Tisch des Executive Boards, wird er aktiv an der Unternehmensentwicklung mitarbeiten müssen. Anschliessend hat er diese für die Rechtsfunktion herunterzubrechen. Und zusätzlich sind noch weitere Punkte zu beachten, wenn es um die eigene Positionierung geht (z.B. Berichterstattungslinien). Jurist:innen werden heute als Businesspersonen verstanden, die zufälligerweise eine juristische Ausbildung haben.
- Anwaltskanzleien sind mehrfach gefordert. Traditionellerweise organisieren sich Kanzleien stark nach juristischen Gebieten. Das ist jedoch Inside-out gedacht und entspricht oft nicht der Logik ihrer Kunden. Die strategische Positionierung müsste vom Kunden hergedacht werden. Überdies fordert KI das traditionelle Geschäftsmodell heraus. Einerseits wird das Arbeitsvolumen der Kunden sinken: gewisse Arbeiten machen sie neu selbst (mit KI) und für noch auslagerte Arbeiten erwarten sie eine effizientere Erledigung. Andererseits benötigen erfahrene Anwälte dank KI weniger Unterstützung. Dies schlägt insbesondere auf die Rekrutierung von Berufseinsteigern durch. Schliesslich wird damit das Stundenhonorarmodell in Frage gestellt.
- Der perfekte Sturm. Das sind nur einige der aktuellen Herausforderungen. Hinzu kommen noch die geopolitischen Herausforderungen, die nicht nur die Unternehmen fordern, sondern entsprechend auch ihre Rechtsabteilungen und externen Berater. Entsprechend hat man sich noch mehr als früher proaktiv, rechtzeitig und richtig zu positionieren. Das bedeutet, folgende Entwicklungsschritte sorgfältig abzuarbeiten: Standortbestimmung, Analyse, Vision und Purpose definieren, Strategie und Geschäftsmodell bestimmen, Implementierung und Controlling.
Die Zeiten sind herausfordernd. Wer sie aktiv gestalten will, ist im Vorteil.
