Soft Skills für Anwälte: essenziell oder nice-to-have?

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Soft Skills für Anwälte: essenziell oder nice-to-have?

Soft Skills

Quelle: istock/OlivierLeMoal

In Unternehmen wird neben der fachlichen Eignung von Mitarbeitern schon lange Wert auf die sogenannten Soft Skills gelegt. Mitentscheidend für die Einstellung sind demnach Fähigkeiten wie Konfliktkompetenz, Teamfähigkeit und Motivierungsvermögen, aber auch Verhandlungsgeschick, Zeitmanagement und Systemisches Denken. Aktuelle Studien legen sogar nahe, dass Soft Skills zu 50 % verantwortlich für berufliches Weiterkommen sind. 

Diese Entwicklung ist in der Anwaltswelt lange Zeit nicht angekommen. Eingestellt wurde fast ausschliesslich nach Examensnoten und fachlichen Zusatzqualifikationen. Mittlerweile haben jedoch auch Kanzleien entdeckt, wie entscheidend die Sozial- und Managementkompetenzen ihrer Mitarbeiter für den Erfolg ihres Unternehmens sind.

 
Unverzichtbar: Teamfähigkeit


Gerade in Zeiten des War For Talents kommt es häufig darauf an, wie gut ein Kanzleiteam zusammen funktioniert. Denn derzeit ist es leicht, sich nach Alternativen umzusehen, wenn es in der eigenen Kanzlei nicht mehr klappt, weshalb die Kündigungsschwellen niedrig liegen wie nie. Mitarbeiter, die gehen, sind ein schmerzhafter und häufig unnötiger Kostenfaktor und echte Teamplayer, die andere motivieren können, daher ein wertvolles Asset. Genauso wichtig ist in dem Zusammenhang die Fähigkeit, gemeinsam an Mandaten zu arbeiten, sich auszutauschen oder dezernatsübergreifende Synergien zu schaffen. Mandate werden vielfach komplexer und die Möglichkeit, als starkes Team aufzutreten, überzeugt nicht nur den Mandanten, sondern erleichtert zudem die Arbeit. Als Einzelkämpfer hingegen haben es selbst Anwälte tendenziell schwerer.

 
Managementfähigkeiten immer wichtiger

Mandatsarbeit ist das Eine, die Kanzlei am Laufen zu halten das Andere. Funktionieren die internen Prozesse nicht, können selbst herausragende fachliche Kompetenzen entstehende Defizite nicht auffangen. Unzureichendes Kanzleimanagement kostet Zeit, Geld und Nerven und strahlt im schlechtesten Fall auch in die Aussendarstellung ab. Kanzleien brauchen daher Anwälte, die ein grundlegendes Verständnis für das Management ihres Dezernats oder besser noch der ganzen Kanzlei haben.


Networking und Akquise als Grundpfeiler der Anwaltstätigkeit

Anwaltliche Arbeit wird immer vergleichbarer. Eine fachlich einwandfreie Beratung erhält der Klient mittlerweile überall – auch im Netz! Hierfür braucht es nicht einmal die persönliche Begegnung. Um sich in diesem Umfeld zu positionieren, helfen Akquisefähigkeiten, Stichwort: Sales Skills for Lawyers. Es gilt, das eigene Alleinstellungsmerkmal (USP) herauszuarbeiten und dieses auf dem Markt bzw. gegenüber dem Mandanten zu vermitteln. Für eine erfolgreiche Akquise und Mandantenbindung sind solche Kompetenzen mittlerweile essenziell. Zahlreiche grosse Kanzleien haben das begriffen und organisieren entsprechende Fortbildungen für die Belegschaft. 


Soft Skills: zunehmend relevanter Faktor für Anwälte


Es lohnt sich also auch für Kanzleien, bei Bewerbungen genau hinzuschauen. Soft Skills stehen nicht schwarz auf weiss im Lebenslauf, sind aber erfragbar und machen oft den entscheidenden Unterschied aus, ob ein neuer Mitarbeiter für das Fortkommen der Kanzlei relevant wird. Und das Gute ist: Wer sie nicht hat, kann sie trainieren.